Altes Pferd? Darauf solltest du nun acht geben!

Altes Pferd

Jedes Pferd wird irgendwann alt und mit zunehmendem Alter steigen eben auch die Bedürfnisse. Gerade die Oldies haben es am aller wenigsten verdient einfach so auf die Gnadenkoppel abgeschoben zu werden! 

Sie sind in den meisten Fällen nicht nur nervenstärker sondern gerade im Vergleich zu jüngeren Kollegen meistens gelassener und ruhiger. Gerade für Anfänger, Kinder oder aber einfach unsichere Reiter sind sie in alten Jahren ideale und vor allem unkomplizierte Partner, die sich trotz ihres Alters oder gerade deshalb auf Beschäftigung und Aufmerksam freuen!

Der Organismus von älteren Pferden ist dafür ausgelegt, dass sie sogar bis ins hohe Alter leistungsfähig sowie beweglich bleiben. Für ein Fluchttier ist dies unerlässlich zum Überleben! Damit sie jedoch gesund und fit alt werden können, sollten wir uns unsere Verantwortung bewusst sein und für optimale Voraussetzungen sorgen, Sie haben größere Ansprüche an Fütterung, Haltung und Pflege – alle Stoffwechselprozesse sind verlangsamt was den Organismus in seiner Gesamtheit betrifft, die Anfälligkeit für Erkrankungen ist höher und sie benötigen längere  Heilungs- und Regenerationsphasen.

Raufutter

Altes PferdÜber die Sommermonate kannst du den Bedarf deines Senioren meist über die Grasaufnahme beim Weidegang weitgehenst decken, denn auch Gras gilt zu den wichtigen Grundfuttermitteln für ältere Pferde. Um den Darm zu schonen und seine Tätigkeit zu fördern, solltest du aber dennoch ganzjährig (das heißt auch während der Weidesaison) ihm oder ihr Heu anbieten, gegenüber Gras besitzt es einen höheren Rohfaseranteil.

Aber gerade wenn es kälter wird und das Gras allmählich abnimmt, kann es für viele Pferdehalter eine echte Herausforderung werden, ihren Senior mit ausreichen Rohfaser zu versorgen, vor allem dann, wenn die Zähne nicht mehr wirklich mitmachen. Sobald das Pferd das Heu nicht mehr ausreichend zerkleinern kann, muss auf eine sinnvolle und gesunde Raufutteralternative wie aufgeweichte Heucobs bzw. Wiesencobs zurückgegriffen werden. Diese bestehen aus fein zerkleinertem Heu welches in Pelletform gepresst wird.

Wichtig: Immer einweichen, da sie stark quellen und sonst die Gefahr auf eine Schlundverstopfung besteht. Im Sommer immer frisch da sie sonst gären, im Winter können sie sogar einfrieren!

Achte auf eine ausreichende Versorgung mit Raufutter von mindestens 1,5kg / 100kg , aber gewöhne deinen Vierbeiner langsam an die Umstellung. Stück für Stück kannst du dann die Portionen vergrößern.

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Kraftfutter

Die Getreidefütterung entspricht nicht den eigentlichen Bedürfnissen des Pferdes. Sie wurde lediglich eingeführt, um dem Vierbeiner auf schnelle und einfache Weise Energie zuzuführen. Eine angepasste Ernährung an einen gar mageren Senior bedeutet also nicht einfach nur die Kraftfuttergaben zu erhöhen, eine ausreichende Fütterung von Heu legt den Grundstein für einen funktionierenden und gesunden Pferdorganismus. Falls du deinem Oldie aber dennoch etwas Kraftfutter verfüttern willst, solltest du unbedingt auf eine gleiche Zusammensetzung der Mahlzeiten sowie auf den Zeitpunkt der Fütterung achten!

Bei Problemen mit dem Gebiss, kannst du auf Quetschhafer zurück greifen und das Kraftfutter in breiiger Form anbieten. Achte auch hier darauf, die Portionen in mehrere Kleine pro Tag aufzuteilen (am besten 3-5) um den Verdauungstrakt zu schonen und behalte die Rationsgröße im Auge! (max. 100g / 100kg)

Zusatzfutter

Wie in der Einleitung angeschnitten, verändert sich nicht nur der Bedarf an Nährstoffen bei älteren Pferden, er wird auch deutlich höher! Ein längerer Mangel dieser lebenswichtigen Stoffe wirkt sich auf Dauer negativ auf den kompletten Organismus aus und zeigt sich in der Regel nicht spontan, sondern Stück für Stück.

Deine Aufgabe ist es deinem Oldie diese Nährstoffe möglichst optimal zur Verfügung zu stellen. Was genau heißt optimal? Vor allem natürlich! Nur natürliche Nährstoffe können vom Pferdeorganismus aufgeschlossen und verwertet werden.

Pferde waren und sind schon immer  Pflanzenfresser, gerade deswegen macht eine natürliche Zufütterung von Kräutern mehr als Sinn um deinem Senior fehlende Nährstoffe zuzuführen. Des Weiteren haben sie gerade auf ältere Pferde eine besonders positive Wirkung!

Eine allgemeine Aussage welches Mineralfutter  das Beste ist, kann also nicht getroffen werden und muss immer individuell auf das Pferd abgestimmt werden. Die Einzelkräuter müssen so gewählt werden, dass sie den Bedarf deines Senioren ideal decken können und deshalb empfehle dir, dich  an einen Spezialisten zu wenden oder dir fertige Kräuterkuren einzukaufen (das sind Mischungen mit mehreren Kräutern die ergänzend zusammengestellt werden)

Neben Kräutern kannst du deinem Pferd aber auch noch mit weiteren Zusätzen gut unter die Arme greifen! Kaltgepresste Öle von höchster Qualität wie Schwarzkümmel– oder Nachtkerzenöl liefern deinem Senior wichtige Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren die wissenschaftlich belegt die Allergiebereitschaft hemmen und das Risiko auf allergische Reaktionen wie das Sommerekzem verringern!

Wichtig: Steige langsam auf eine Ölfütterung um und erhöhe Stück für Stück die tägliche Menge.

Haltung

Altes PferdOb du dein Pferd in einer Einzel- oder Gruppenhaltung, Offenstall oder in eine Box stellst hängt immer individuell mit den Bedürfnissen und dem Gesundheitsstand deines Oldies ab. Fakt ist, alle Möglichkeiten können funktionieren, wenn man sie anpasst! Offenstall kann gut gehen, wenn genug Platz ist um den anderen Vierbeinern ausweichen zu können und genug Raum für Bewegungen vorhanden ist.

Wenn möglich, sollten sich auch gleichaltrige Vierbeiner dort befinden, die dann zusammen eine Extra-Herde bilden können. Gerade wenn dein Rentner einer jungen und dynamischen Gruppen hinterhereifert, kann sich dies in Stress und Überforderung auswirken. Wichtig ist, dass er oder sie nicht ständig gejagt wird um in Ruhe das Futter fressen zu können. Auch im höheren Alter sollte dein Oldie nicht alleine gehalten werden. Wenn er sich in der aktuellen Gruppe aber nicht mehr entsprechend durchsetzen kann, bietet sich an, ihn oder sie für Futter- und Ruhezeiten aus der Gruppe zu nehmen, damit ausreichend Futter aufgenommen und genug geschlafen werden kann!

Eine Kombination aus Offenstall und Box kann ebenfalls eine sinnvolle Haltung für einen Oldie sein. Tagsüber bewegt er sich draußen, während er Abends in Ruhe fressen und schlafen kann. Die Box sollte im Optimalfall immer an einen offenen Paddock angeschlossen und nicht zu klein sein, wenn möglich keine Engpässe oder schmale Ecken. Des Weiteren sollte deinem Rentner IMMER genügend frische Luft und Beweglichkeit gewährleistet werden!

Bewegung

„Wer rastet der rostet“, dies gilt vor allem auch für unsere Oldies! Bewegung hält fit und gesund, wer sein Pferd noch im hohem Alter altersgerecht fördert, erhält die Muskeln und die Beweglichkeit. Ältere Pferde möchten sich sehr wohl noch bewegen und abwechslungsreich beschäftigt werden! Die Bewegung sollte dabei aber vor allem individuell an den aktuellen Gesundheits- sowie Leistungsstand des Pferdes angepasst werden. Hier solltest du das Verhalten deines Vierbeiners genau im Auge behalten und hinhorchen, was genau er oder sie dir mitteilen möchte. Manche Oldies genießen ihre Ausritte und haben Spaß daran, wohingegen andere einfach nicht mehr
geritten werden wollen.

Gerade im Sommer solltest du es aber dennoch langsam angehen und auf den Kreislauf deines Rentners acht geben. Bei starken Wetterumschwüngen kann es sogar zu Problemen mit der Atmung oder der Verdauung kommen! Das Aufwärmen dauert bei Rentnern etwas länger und ist demnach aber auch umso wichtiger, damit Gelenkschmiere laufen kann. Hier sollte man 20-30 Minuten im Schritt führen /
reiten und anschließend erst mit den Übungen oder dem Trab beginnen.

Fazit

Altes PferdSpätestens jetzt sollte klar sein, dass ein Rentner im Vergleich zu jüngeren Jahren mehr Aufwand in Bezug auf Haltung, Pflege und Fütterung für uns bedeutet. Jedoch sollten wir stets bedenken, dass der Alterungsprozess etwas ganz natürliches ist und zum Leben dazu gehört. Wir sollten unseren Oldies mit Respekt begegnen und dankbar dafür sein, sie oder ihn auf dem letzten Lebensabschnitt begleiten zu dürfen. Wir haben ihnen so viel zu verdanken und es macht einen traurig zu sehen, wie einst ein Freund, einfach so auf eine Gnadenkoppel abgeschoben wird, weil er nicht mehr so funktioniert wie er soll.

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